Bauhaus, Re-Editionen und Knalleffekte

Die Mailänder Möbelmesse ist Jahr für Jahr das Barometer des guten Geschmacks. Dieses Jahr verzeichnete sie erhöhte Temperatur. Geradezu fiebrig wurde das Bauhaus inszeniert.
Die klare geometrische Formensprache der Architektur setzten die Bauhäusler konsequent auch im Design um. Viele Entwürfe zählen längst zu den Möbelikonen. Die damals radikal modernen Statements finden heute, also 100 Jahre später, mehr Anhänger denn je. Große Marken wie Thonet, Tecta, Knoll International oder Classicon verwalten die Klassiker mit immer neuen Re-Editionen. 2019 bekennen die Hersteller Farbe und zeigen sogar Muster wie etwa beim berühmten Faltsessel von Marcel Breuer.

Überhaupt Re-Edtionen. Seit Jahren werden Klassiker neu inszeniert. Man wähnt sich mit den zeitlosen wie beliebten Möbeln auf der sicheren Seite. Neu ist, dass die Möbelfirmen zu gewagten Stoffen und beinahe schrillen Farben greifen. Geradezu im Wahn scheint Cappellini den an sich schönen S-Chair im Diamatenlook verkleidet zu haben.

Da sind uns die Neuauflagen von Carl Hansen, der den CH-30 Stuhl (1954) von Hans Wegner wieder auf dem Markt bringt oder der Capitol Complex Chair, ein Entwurf Pierre Jeannerets, den Cassina wieder zur Verfügung stellt, wesentlich näher. Häufig zu sehen sind Farben wie Apricot/Rosé, Senfgelb und Nuancen von Grün. Oder ein dramatisches Blau kombiniert mit Gold und Messing als Referenz ans Art Deco.

Vitra und Kartell im Gestaltungswahn

Eine Aufputschspritze verpassen Vitra und Kartell der Möbelbranche. Sie zeigten in Mailand Wohnwelten, die vor allem optische wie ästhetische Herausforderungen sind: Überladene Räume in denen ein extremes Gestaltungsbedürfnis herrscht. Ein überbordender Mix aus gegensätzlichen Farben, Formen, Mustern, Streifen, Ornamenten, Texturen und Motiven. Zum schwindelig werden! Stile und Zeitebenen überlagern sich zu Experimentierfeldern des subjektiven, auch durchaus schlechten Geschmacks. Design im Fieberwahn.

Vitras schöne neue Welt

Dagegen ist der heiter bunte „California Style“ mit floralen Motiven beinahe erholsam.
Was zeigt uns das? – Alles kann, nichts muss. Beim Einrichten steht die freie Wahl von Stilen und Epochen im Mittelpunkt. Auswahl gibt es reichlich.

Erfreulicherweise konnten wir eine weitere Konstante in der schönen bunten Möbelwelt ausfindig machen: Ungebrochen wird auf Naturmaterialien und Nachhaltigkeit gesetzt. Entwürfe aus Holz, Marmor und kompostierbarem Kunststoff gehören inzwischen, wie das klassische Handwerk, zu den soliden Evergreens.

Genau wie die Liebe zu schlicht raffinierten und geradlinigen Dingen, wie sie die entspannte Formensprache des Nordens betont und beispielsweise auch bei den Italienern DePadova und Living Divani zu finden ist. Die Eleganz der italienischen Möbelkunst bei Gallotti & Radice sowie bei Azucena, das jetzt zu B & B Italia gehört, haben uns auch in diesem Jahr wieder überzeugt.

Es lebe die Vielfalt. – Wir halten die Beständigkeit in Ehren.

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